Pressemitteilung – Equine Veterinary Journal   19. Juni 2013

Neue Studie verbindet Berg-Ahorn mit der Atypischen Myopathie

– Danke Guido Schneider and Beatrix Sommer-Locherfür die deutsche Übersetzung –

Die Gifte des Samens des Acer pseudoplatanus sind wahrscheinlich Auslöser der Atypischen Myopathie (AM) in Europa, schlußfolgert eine neue Studie, die in diesem Monat im Equine Veterinary Journal (EVJ)[1] veröffentlicht wurde. Im deutsch-sprachigen Raum ist der Baum als Berg-Ahorn bekannt, als Sycamore in Großbritannien und weiterhin auch als Sycamore Maple in einigen anderen Ländern. Hier besteht zusätzliches Potential für Verwirrung, denn ein ganz anderer Baum, Platanus occidentalis, ist als Sycamore oder American Sycamore in den Vereinigten Staaten bekannt. Die neue Forschung schließt sich einer Studie aus den USA aus dem Jahre 2012 an, die Gifte des Eschen-Ahorns (Acer negundo) mit der Saisonalen Weidemyopathie in Verbindung bringt – dem amerikanischen Äquivalent der AM[2]. Diese Entdeckung ist ein großer Schritt für die zukünftige Prävention dieser tödlichen Erkrankung.

 

Die Atypische Myopathie ist eine meist tödliche verlaufende Muskelerkrankung, die in Großbritannien und Nordeuropa vorkommt – in 10 Jahren werden ungefähr 20 europäische Länder von der Krankheit betroffen sein. Das Auftreten der Erkrankung häuft sich im Herbst und in dem Frühjahr, das auf einen großen herbstlichen Ausbruch folgt. Pferde, die eine AM entwickeln, werden auf spärlichen Weiden gehalten und ernähren sich von toten Blättern, totem Holz und Bäumen auf oder neben der Weide und werden nicht mit Heu oder Kraftfutter zugefüttert. SPM ist eine sehr ähnliche Erkrankung, die im mittleren Westen der USA vorkommt wie auch im Osten Kanadas und von der man nun weiß, daß sie über die Aufnahme von Hypoglycin A entsteht, das im Samen des Eschen-Ahorns vorkommt.

 

Photos: © L. Leinartz, Atelier Multimédia, FMV-ULg

Die neuen, europäischen Forschungen1 wurden von einem internationalen Forscherteam unter der Leitung von Dominique Votion (Universität Lüttich) durchgeführt und schlossen 17 Pferde aus Belgien, Deutschland und den Niederlanden ein, die an der Atypischen Myopathie erkrankten. Hohe Konzentrationen des Metaboliten von Hypogycin A wurden im Serum aller dieser Pferde gefunden. Die Weiden von 12 dieser Pferde wurden von erfahrenen Biologen inspiziert und Acer pseudoplatanus, der Berg-Ahorn, wurde in allen Fällen vor Ort gefunden. Es war der einzige Baum, der übereinstimmend auf allen inspizierten Weiden gefunden wurde.

 

Die Forscher glauben, dass Hyopoglycin A der wahrscheinliche Auslöser der AM in Europa und der SPM in Nordamerika ist. Sowohl der Berg-Ahorn wie auch der Eschen-Ahorn sind dafür bekannt, daß ihre Samen Hypoglycin A enthalten, und die Weiden der erkrankten Pferde in Europa und in den USA waren von diesen Bäumen umgeben.

 

Hypoglycin A findet sich in verschiedenen Konzentrationen in den Samen der Ahorn-Gewächse. Sowohl in den Arten der Familie Sapindaceae (die Seifenbaumgewächse), wie auch in der Akee-Pflaume (Blighia sapida). In der Akee-Pflaume variiert die Konzentration des Hypoglycin A in Abhängigkeit von der Reife der Frucht. Wenn die unreife Frucht verzehrt wird, verursacht dies eine Hypoglycämie in verschiedener Ausprägung bis hin zum Krankheitsbild “Jamaica-Brechkrankeit” (da die Akee-Pflaume in der Jamaikanischen Küche verwendet wird) und kann auch beim Menschen zum Tod führen.

 

Forscher der Universitäten in Minnesota2 und Lüttich setzen ihre Arbeit fort um genau herauszufinden, wie diese Erkrankung des Pferdes entsteht. In der Diskussion um die fortlaufende Forschung weisen Dr. Adrian Hegeman und Dr. Jeff Gillman von der Universität in Minnesota darauf hin, “daß wahrscheinlich der bedeutendste Anteil an der Vergiftung eines Pferdes mit Hypoglycin A der Samen ist – kombiniert mit dem Futter-Mangel. Die Samen zweier Arten des Ahorn (Eschen-Ahorn und Berg-Ahorn), die wir getestet haben, enthielten signifikante Mengen an Hypoglycin A. Wir wissen, daß die Konzentrationen von Samen zu Samen stark variieren können, auch an ein und demselben Baum. Wir wissen jedoch weder, wie die Hypoglycin-A-Konzentrationen jahreszeitlich schwanken, noch wie sich die Menge in Abhängigkeit von verschiedenen Streßphasen der Pflanze verändert. Doch gerade das könnte die jahreszeitliche Variabilität des Auftretens der Krankheit erklären. Es wäre möglich, daß Streßbedingungen für die Pflanze zu einer signifikanten Veränderung der jahreszeitlichen Abhängigkeit von Hypoglycin A-Konzentrationen beitragen. Zurzeit wissen wir das noch nicht. Es ist allgemein bekannt, daß Bäume unter Streß gewöhnlich mehr Samen produzieren.” Dr. Jeff Gillman fuhr fort: “Ohne Frage sind weitere Analysen der Samen und anderer Proben der Ahorn-Arten erforderlich. Für diese Analysen müssen Proben aus verschiedenen Jahreszeiten und aus verschiedenen Stadien der Samenreifung genommen werden.” Außerdem können wir komplexere Erklärungen für die jahreszeitliche Abhängigkeit des Auftretens nicht ausschließen, wie zum Beispiel: abnehmende Nahrungsqualität im Herbst kombiniert mit Trockenheit, oder einfachere Erklärungen wie Stürme, die die Samen verteilen. Diese Art der Erklärungen für die Entstehung der Erkrankung sind jedoch unabhängig von botanischen Variationen hinsichtlich der Toxizität in den verschiedenen Jahreszeiten. Ebenso müssen die Standorte und die Streßlevel berücksichtigt werden. Obwohl es nur eine begrenzte Anzahl Beispiele dafür gibt, scheint die Erfahrung der Tiere mit einem Weidestandort eine Art verhaltensbedingte Resistenz gegenüber der Exposition auf Weiden mit den Samen zu verleihen.

 

Professor Celia Marr, Herausgeber des Equine Veterinary Journal, sagte: “Die Studie ist ein bedeutender Fortschritt in unserem Verständnis, welche Auslöser der AM zu Grunde liegen und wie eine Erkrankung verhindert werden kann. Im unmittelbaren praktischen Bezug können Pferdebesitzer sofortige Maßnahmen ergreifen, um ihre Pferde vor der Exposition der Ahorn-Samen zu schützen. Wenn Pferde in der Nähe von Ahornbäumen weiden, ist es zwingend erforderlich, daß sie durch ausreichendes Zufüttern geschützt werden, denn dies minimiert das Risiko, daß Pferde in Versuchung geraten, die giftigen Samen zu fressen. Dies muß mit Sorgfalt geschehen und am Boden zurückbleibendes feuchtes Heu sollte vermieden werden, während ein Angebot an zusätzlichem, kohlehydratreichen Futter sinnvoll ist.”

 

1 European study

2 American study

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